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Blogeintrag

Dunning-Kruger-Effekt bei Agilen Methoden

Agile Methoden  Tools 

Bei der Einführung neuer Methoden und Werkzeuge geht es nicht nur um das Lernen von Vokabeln oder die Installation per Klick auf Weiter → Weiter → Weiter. Neue Methoden beinhalten immer einen damit verbundenen kulturellen Wandel, der Zeit und Unterstützung braucht. Nur so lassen sich nachhaltig Ergebnisse erzielen und bewahren. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie nicht in die "Das haben wir eh schon alles!"-Falle tappen.

Der Anfang eines langen Weges

Ich möchte diesen Beitrag mit einem Zitat beginnen, welches Konfuzius zugeschrieben wird:

Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln:
Erstens durch Nachdenken, das ist der edelste,
zweitens durch Nachahmen, das ist der eleganteste
und drittens durch Erfahrung, das ist der schmerzhafteste Weg.

Viele unserer Kunden sprechen uns an mit der Bitte, "bis zum <Datum> eine bestimmte Agile Methode wie z. B: Scrum einzuführen. Andere besuchen eines unserer Methodik-Seminare - vom Scrum Master über Kanban bis hin zur Agilen Aufwandsschätzung, und fragen uns wenige Monate später "warum sich nichts geändert hat?".

Hier sind wir dann nicht als Tool-Experten oder Trainer, sondern vor allem als Berater gefordert – wir müssen an dieser Stelle aufzeigen, dass der Umstieg auf Agile Vorgehensweisen einen tiefen kulturellen Wandel für das ganze Unternehmen bedeutet. Dieser Aspekt des tiefen Umlernens wird oft vergessen - der nächste Abschnitt zeigt, warum.

In seinem Artikel "Teaching for Learning" (1969) stellte Martin Broadwell ein Lernphasenmodell vor. Es basierte auf den damals aktuellsten Erkenntnissen der Kognitionspsychologie und zeigt, dass Lernen weit mehr ist als das Lesen eines Handbuchs oder das Befolgen von Instruktionen.

Broadwell unterscheidet vier Phasen des Lernens

  1. Unbewusste Inkompetenz
    In dieser Phase ist uns gar nicht bewusst, dass wir etwas nicht wissen oder können.
  2. Bewusste Inkompetenz
    Durch Feedback oder Selbstreflektion wird uns bewusst, dass wir etwas nicht können.
  3. Bewusste Kompetenz
    In dieser Phase haben wir Fachwissen und können dieses gut anwenden.
  4. Unbewusste Kompetenz
    Dies ist die Phase der Meister und Experten.
Bewusst und Unbewusst

Quelle:www.wordsfitlyspoken.org/gospel_guardian/v20/v20n41p1-3a.html

Das Modell erscheint intuitiv und fast schon zu simpel. Ich gehe davon aus, dass alle Leser nun wie selbstverständlich zu den beiden rechten Quadranten tendieren. Leider liegt auf dem Weg zur Kompetenz oft ein Stolperstein namens Dunning-Kruger-Effect im Weg, auf den ich im nächsten Abschnitt eingehe.

Dunning-Kruger-Effect

Vor inzwischen ziemlich genau 20 Jahren entdeckten die beiden Psychologen Dunning und Kruger, dass bei einigen Tätigkeiten weniger Wissen zu mehr Selbstvertrauen führt. Gleichzeitig entdeckten sie auch, dass Betroffene sich dieser Fehleinschätzung gar nicht bewusst sind. Dadurch waren die Versuchspersonen sich absolut sicher, keinerlei Hilfe zu benötigen. Im Gegenteil: Wenn andere zu einem Thema mehr Wissen hatten, dann wurde dieser Wissensvorsprung teilweise aktiv negiert.

Wissen und Erfahrung Tabelle

Quelle: Justin Kruger, David Dunning: Unskilled and unaware of it: How difficulties in recognizing one’s own incompetence lead to inflated self-assessments. In: Journal of Personality and Social Psychology. Band 77, Nr. 6, 1999, ISSN 1939-1315, S. 1121–1134,

Die Quintessenz des Artikels wird oft so wiedergegeben:

„Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist. […].
Die Fähigkeiten, die man braucht, um eine richtige Lösung zu finden,
[sind] genau jene Fähigkeiten, die man braucht, um eine Lösung als richtig zu erkennen.“

Um es vereinfacht zu sagen: Das haben wir eh schon alles! Offensichtlich fehlt hier der Anreiz, den Pfad durch Broadwells vier Phasen überhaupt zu beginnen.

Was tun?

Kulturwandel...von außen begleiten

Wir als Berater sind Fachexperten in unserer Domäne - das ist selbstverständlich. Mindestens genauso wichtig – und das ist eine oft unterschätzte Dienstleistung – ist unsere Rolle als neutraler Beobachter von außen: frei von jedem "Immer so gemacht/Nie so gemacht".

Potential und Prozessanalyse

Wir machen uns die Mühe, die Ursachen hinter beobachteten Symptomen zu suchen und sind auch bereit, diese offen (aber jederzeit wertschätzend und fachlich fundiert) zu kommunizieren. Mit diesem Feedback zu Ihren Methoden und Werkzeugen - können Sie dann eine neue Phase des Wachstums einleiten. Um den Kreis zu schließen zum Zitat aus der Einleitung: Entscheiden Sie sich für den edlen Weg.

Sprechen Sie uns an!

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Johannes Bergsmann

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